Vorlaufstudie zur Digitalen Daseinsvorsorge (DIDA): APIs statt Apps
Viele gesellschaftlich wichtige Angebote existieren bereits digital oder digital unterstützt. Aber sie sind schwer auffindbar, kaum miteinander verbunden und für viele Menschen nur nutzbar, wenn sie schon genau wissen, wonach sie suchen müssen. Genau hier setzt DIDA an: nicht als weitere Plattform, sondern als technische Infrastruktur für digitale Daseinsvorsorge. Die Ergebnisse der Vorlaufstudie.
Die Vorlaufstudie zu DIDA ist fertig. Für mich ist das ein wichtiger Meilenstein! Nicht nur, weil damit viele Monate Recherche, Gespräche und Konzeptarbeit in einem Dokument zusammenlaufen, sondern vor allem, weil die Studie einen Befund klar macht: Das Problem in der digitalen Daseinsvorsorge ist nicht in erster Linie, dass es zu wenige Angebote gibt. Das Problem ist, dass diese Angebote digital zu oft nebeneinander statt miteinander existieren. Oder schlimmer noch: Manche Angebote sind digital überhaupt nicht zu finden.
Es gibt heute bereits zahlreiche Dienste mit gesellschaftlichem Mehrwert: Beratungsangebote, Sozialleistungsrechner, lokale Vermittlungsplattformen, Hilfsangebote für Familien, Krisenunterstützung, Gesundheits- und Teilhabeangebote. Viele davon leisten gute und wichtige Arbeit. Aber aus Sicht der Nutzerinnen und Nutzer wirken sie oft wie ein Flickenteppich. Wer Hilfe sucht, landet schnell bei einer Mischung aus Suchmaschinen, Social Media, kommunalen Websites, PDFs, Empfehlungen, Telefonaten und Zufall.
Genau an diesem Punkt setzt DIDA an.
Was DIDA eigentlich ist
DIDA steht für Digitale Daseinsvorsorge. Gemeint ist keine neue Superplattform, die alle bestehenden Angebote ersetzt. Gemeint ist ein technisches Netzwerk, das bestehende Angebote sichtbar, anschlussfähig und miteinander nutzbar macht.
Der Kern von DIDA sind gemeinsame Schnittstellen, Standards und Regeln für Interoperabilität. Dadurch können aus isolierten Einzellösungen vernetzte Serviceketten entstehen. Oder anders gesagt: DIDA baut die digitalen Straßen und Schienen zwischen Angeboten, die heute oft wie voneinander getrennte Städte wirken.
Deshalb lässt sich die Grundidee in einem Satz zusammenfassen: APIs statt Apps, Protokolle statt Plattformen.
Warum die Studie zu diesem Ergebnis kommt
Für die Vorlaufstudie habe ich mit mehr als 40 Personen aus Praxis, Politik, Verwaltung, Sozialwirtschaft, Unternehmen, Stiftungen und Zivilgesellschaft gesprochen. Der Befund war erstaunlich konsistent.
Anbieter kämpfen mit mangelnder Auffindbarkeit, fehlender technischer Anschlussfähigkeit, Doppelaufwänden und einem insgesamt schwachen Bewusstsein dafür, welche Chancen in gemeinsamer Infrastruktur liegen. Bürgerinnen und Bürger erleben eine fragmentierte Landschaft, in der viel davon abhängt, ob man die richtigen Begriffe kennt oder zufällig auf das passende Angebot stößt. Und für den Staat fehlt damit ein verlässlicher infrastruktureller Zugang zu einem wichtigen Teil digitaler Daseinsvorsorge.
Was DIDA für Anbieter verändern würde
Für Anbieter der erweiterten Daseinsvorsorge, also etwa NGOs, Sozialunternehmen, Vereine, lokale Unternehmen, Start-ups oder regionale Wirtschaft allgemein, würde DIDA vor allem Reichweite, Anschlussfähigkeit und neue Kooperationsmöglichkeiten schaffen.
Heute muss oft jede Organisation für sich selbst sichtbar werden, ihre Technik selbst organisieren und Kooperationen bilateral aushandeln. DIDA würde diese Akteure in ein gemeinsames Netzwerk einbetten. Angebote könnten besser gefunden werden, standardisiert mit anderen Diensten kommunizieren und Teil einer Infrastruktur werden, die nicht auf Zentralisierung, sondern auf Verbindung setzt.
Das ist nicht nur technisch relevant. Es ist auch eine Form von struktureller Stärkung. Viele kleine oder spezialisierte Anbieter leisten heute gesellschaftlich unverzichtbare Arbeit, sind digital aber gegenüber großen Plattformen und reichweitenstarken Akteuren strukturell im Nachteil. DIDA würde daraus keine Konkurrenzplattform machen, sondern ein gemeinsames Netz.
Was DIDA für Bürgerinnen und Bürger bedeuten würde
Für Bürgerinnen und Bürger wäre DIDA vor allem ein Gewinn an Orientierung.
Der Zugang zu Angeboten beginnt aktuell mit einzelnen Suchhandlungen. Danach folgen Medienbrüche, Mehrfacheingaben und die Notwendigkeit, Zuständigkeiten selbst zu verstehen. Die Gesamtverantwortung für die Navigation liegt fast immer bei den Nutzenden.
DIDA würde diese Logik verändern. Statt unverbundener Einzelstopps könnte eine zusammenhängende Journey entstehen. Menschen könnten von einem Einstiegspunkt aus weitere passende Angebote finden und auf Wunsch Daten zwischen Diensten weitergeben, statt dieselben Informationen immer wieder neu eingeben zu müssen. Das würde Suchaufwand reduzieren, Fehler vermeiden und digitale Daseinsvorsorge erstmals als zusammenhängendes System erlebbar machen.
Gerade in einer Zeit, in der KI-Systeme und Plattformen immer stärker darüber entscheiden, was sichtbar ist und was nicht, ist das weit mehr als eine Komfortfrage. Es ist eine Frage von digitaler Teilhabe.
Was DIDA für die öffentliche Hand bedeuten würde
DIDA würde der öffentlichen Hand helfen, nicht-staatliche Angebote besser zu sichten, einzuordnen und technisch anzubinden. Statt immer neue Einzellösungen zu fördern, könnte stärker in wiederverwendbare Infrastruktur investiert werden. Das verbessert nicht nur die Effizienz, sondern auch die Handlungsfähigkeit des Staates in einem Feld, das heute oft schwer überblickbar ist.
Wichtig ist mir dabei: Es ist ein Modell, das staatliche und nicht-staatliche Daseinsvorsorge besser zusammenbringen kann. Gerade weil viele relevante Leistungen heute längst nicht mehr ausschließlich von staatlichen Stellen erbracht werden, braucht es eine Infrastruktur, die dieser Realität gerecht wird.
Wie es jetzt weitergeht
Ich bin überzeugt: Deutschland braucht nicht nur mehr digitale Angebote. Deutschland braucht eine Infrastruktur, die gute Angebote miteinander verbindet, statt sie weiter in Silos zu halten. Ich werde in den nächsten Wochen die Anschlussfähigkeit von DIDA prüfen.
Download der Studie
Die gesamte Studie kann hier heruntergeladen werden. Auf meiner Website im Bereich „Tätigkeiten: Projekte und Aktivitäten“ gibt es zusätzlich eine Kurz- und eine Videozusammenfassung.
Die Studie wurde im Auftrag der Stiftung Mercator erstellt.
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