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Angebote, die zueinander finden: der DIDA-Simulator

Hebammen, Kitas, Pflegedienste, Beratungsstellen: Angebote gibt es genug. Was fehlt, ist die Verbindung zwischen ihnen. In der Vorlaufstudie DIDA habe ich beschrieben, wie diese Verbindung aussehen könnte. Mit dem DIDA-Simulator kannst du jetzt ausprobieren, was sie im Alltag verändern würde.

Ein Smartphone auf dem Tisch, das den DIDA-Simulator zeigt.

Wer in Deutschland eine Hebamme, einen Pflegedienst oder einen Platz im Sportverein fürs Kind sucht, findet meistens irgendwann etwas. Die Frage ist nur: wie schnell, auf welchem Weg und was dabei auf der Strecke bleibt.

Denn an Angeboten mangelt es selten. Staat, Wohlfahrtsverbände, Vereine, Sozialunternehmen und private Anbieter leisten jeden Tag enorm viel. Nur stehen diese Angebote nebeneinander und nicht miteinander verknüpft. Jedes hat seine eigene Website, sein eigenes Formular, seine eigene Telefonnummer, manche haben gar keinen Online-Auftritt. Wer etwas braucht, muss die richtigen Begriffe kennen und dieselben Angaben wieder und wieder eintragen. Und wer eine Stelle gefunden hat, bekommt von dort nur selten einen Hinweis, was als Nächstes wichtig wird.

Das trifft alle, aber nicht alle gleich. Wer Zeit, Sprachkenntnisse, ein gutes Netzwerk und Kraft hat, findet meist das Nötigste. Wer nichts davon hat, verpasst Unterstützung, die es längst gäbe. Und die Anbieter? Sie erreichen die Menschen nicht, für die sie ihre Angebote gemacht haben.

Das Problem ist somit kein Mangel an Angeboten, sondern ein Mangel an Verbindungen. Die übliche Antwort lautet trotzdem: noch ein Portal, noch eine App. Aus meiner Sicht ist das der falsche Schluss aus einer richtigen Diagnose: Ein weiteres Portal ist am Ende ein weiteres Angebot, das niemand kennt.

Was DIDA ist

DIDA steht für „Digitale Daseinsvorsorge“. Im Auftrag der Stiftung Mercator habe ich in einer Vorlaufstudie untersucht, ob eine gemeinsame technische Infrastruktur hier helfen kann. Dafür habe ich mit über 40 Menschen gesprochen: aus Verwaltung und Politik, Wohlfahrtsverbänden, Unternehmen, Stiftungen und gemeinnützigen Organisationen.

Das Ergebnis ist ein Netz aus gemeinsamen Schnittstellen (sogenannten APIs) und den Regeln dazu. Über eine solche Schnittstelle reichen Programme kontrolliert Daten weiter, statt dass Menschen dieselben Angaben ein x-tes Mal abtippen. Angeschlossene Angebote können sich gegenseitig finden, aufeinander verweisen und, wenn du zustimmst, bereits gemachte Angaben übernehmen. Die Daten bleiben bei den Anbietern, eine zentrale Datenbank gibt es nicht. Auf dieses Netz können dann viele Zugänge aufsetzen: kommunale Portale, die Websites der Anbieter selbst oder KI-Assistenten.

Das Bild, das ich dafür gern benutze: Die Städte gibt es schon. Was fehlt, sind Straßen und Schienen zwischen ihnen. Die Studie fasst das in einem Satz zusammen: „APIs statt Apps, Protokolle statt Plattformen.“

Zwei Gedanken sind Kern des Konzepts: Erstens ordnet DIDA Angebote nach Lebenslagen. Wer schwanger ist, denkt nicht an Krankenkasse, Jugendamt und Familienbildungsstätte, sondern einfach erst einmal „Ich bekomme ein Kind“. Zweitens sollen auch Anbieter ohne eigene digitale Systeme mitmachen können. Die Hebamme ohne Website lädt zum Beispiel einmal pro Woche ihren Belegungsplan hoch, ein Werkzeug macht daraus eine Schnittstelle. Um all das aufzubauen und zu betreiben, schlägt die Studie eine DIDA-Serviceagentur vor.

Warum ein Simulator

Über Infrastruktur zu lesen ist mühsam: Vieles klingt abstrakt, bis man es selbst erlebt. Deshalb gibt es jetzt den DIDA-Simulator. Du wählst eine von drei Lebenslagen: eine Schwangerschaft, die Pflege der eigenen Mutter nach einem Sturz oder einen Umzug mit Kind. Dann spielst du sie zweimal durch: zuerst so, wie sie heute läuft, danach so, wie sie mit DIDA laufen könnte.

Unterwegs zählt der Simulator mit: Wie oft hast du gesucht? Wie oft dieselben Daten neu eingegeben? Wie oft vom Bildschirm zum Telefon, zum Papier oder zum Amt gewechselt? Und welche Angebote hast du verpasst? Am Ende stehen beide Durchläufe nebeneinander.

Beispiel: „Ich bin schwanger.“

Zwölfte Woche, erstes Kind. Die Frauenärztin sagt beim Rausgehen: „Kümmern Sie sich früh um eine Hebamme.“ Mehr nicht.

Im Durchlauf „heute“ beginnst du mit einer Suchmaschine. Du findest eine Hebammenliste als PDF, zwei Jahre alt, ein kommerzielles Vermittlungsportal und die Website einer Praxis. Du rufst an: Mailbox, Mailbox, eine Absage. Irgendwann klappt es. Danach kommen Feindiagnostik, Vaterschaftsanerkennung, Geburtsklinik, Mutterschaftsgeld, Kita-Vormerkung und jedes Mal fängst du von vorn an. Beim Elterngeld musst du selbst daran denken, dass es eine Frist gibt.

Im Durchlauf „mit DIDA“ steigst du über ein Portal ein und siehst eine Ablaufkette: Was steht jetzt an, was bald, was später? Beim Schritt „Hebamme“ zeigt das Portal drei Hebammen in deiner Stadt und daneben, wer um deinen Termin herum noch frei ist. Die Geburtsklinik meldest du von zu Hause an, ohne Termin und ohne Papier. Bei der Kita-Vormerkung fragt das Portal, ob deine bereits gemachten Angaben übernommen werden dürfen. Du siehst genau, was die Kita bekommt und was nicht (du kannst die Datenübertragung selbstverständlich auch ablehnen).

Am Ende zeigt dir der Simulator, was im ersten Durchlauf gefehlt hat: ein Rückbildungskurs mit Kinderbetreuung, von dem die Hebamme erzählt hat und den du nicht gefunden hast, eine kostenlose Elternberatung im selben Haus und die Frühen Hilfen der Stadt, die allen Familien offenstehen. Im echten Leben merkst du nie, dass du so etwas verpasst hast. Im Simulator schon.

Ehrlich bleiben

Beim Bauen war mir eines besonders wichtig: Der Durchlauf „heute“ soll keine Karikatur sein. Nicht alles geht schief, manches klappt knapp. Jeder Schritt ist nach bestem Wissen an Gesetzen und Richtlinien geprüft, von der Mutterschafts-Richtlinie bis zum BGB.

Genauso ehrlich zeigt der Simulator, was DIDA nicht kann. DIDA schafft keine Hebamme, die es nicht gibt; es zeigt nur, wer frei ist. Die Vaterschaftsanerkennung muss auch mit DIDA persönlich beurkundet werden, weil das Gesetz es so will. Und Daten gehen nur so weit, wie du zustimmst: Jeder Dienst bekommt nur, was er wirklich braucht. Eine Infrastruktur, die mehr verspricht, als sie halten kann, verliert genau das Vertrauen, auf das sie angewiesen ist.

Probier es aus und sprich mit mir

Der Simulator dauert drei bis fünf Minuten. Er skizziert, was möglich wäre, wenn Angebote zueinander finden.

Ob das Wirklichkeit wird, entscheidet sich woanders: bei denen, die Angebote machen, und bei denen, die über Infrastruktur entscheiden. Wenn du für einen Verband, einen Verein, ein Sozialunternehmen, eine Kommune, ein Land oder den Bund arbeitest und DIDA mit voranbringen willst: Ich freue mich über deine Nachricht.

Hier gelangst du zur DIDA-Seite mit dem DIDA-Simulator.

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